Prozess via Webstream
In den USA schafft der Videostream via Internet einen erneuten Durchbruch. Ein 25-jähriger Student der Boston University wurde "von einem US-Musiklabel wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverstöße verklagt" und forderte daraufhin die Veröffentlichung des Gerichtsprozesses per Livestream im Internet. Das Musiklabel legte Einspruch ein, die vorsitzende Richterin sah aber keine Notwendigkeit, das Ersuchen des angeklagten Studenten abzulehnen.
Die Begründung: Die Musikindustrie hatte zuvor jahrelang mit eindeutigen Kampagnen versucht, Musikkopierer vor Urheberrechtsverletzung abzuschrecken. Die Kampagnen hatten das Ziel, Filesharer als Kriminelle abzustempeln und vor den gewaltigen, mitleidslosen Anklagen der Musikindustrie zu warnen. Kurz gesagt: Die Musikindustrie nutzte alle Möglichkeiten, um sich als eiskalter Strafverfolger darzustellen. Jetzt aber wollte das Musiklabel plötzlich den Aufruhr in der Öffentlichkeit vereiteln. Woher kommt auf einmal der Gesinnungswechsel?
Kommenden Samstag kann jeder Interessent dem Prozess live aus den USA beiwohnen. Und damit auch Zeuge der immensen Forderungen seitens der "Musik-Anwälte". Ob diese weiterhin ihre Ansprüche konsequent durchsetzen wollen, wird sich spätestens am Donnerstag zeigen. Die Reaktionen der Musikindustrie auf ihre Unbeliebtheit in der Bevölkerung, z.B. durch Kündigung der Zusammenarbeit mit der RIAA, ließen aber auf ein anderes, imagebereinigendes Ziel schließen.
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Musikindustrie macht Ernst
Ich habe schon vor einigen Wochen über die neue Geschäftspolitik der amerikanischen Musikindustrie berichtet (Kampf für mehr Gerechtigkeit , Pilotprojet-Musikflatrate und Musikindustrie macht Fortschritte). Jetzt macht der Musikverband RIAA allem Anschein nach Ernst: er kündigte die Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen MediaSentry, dass Musikpiraten (Cyberkriminelle) verfolgt, Beweise gesammelt und diese an die Musikindustrie weitergegeben hat. Die Musikindustrie ist in den vergangenen Jahren mit den Beweisen vor Gericht gezogen und hat tausende Anzeigen und Verfahren bestritten.
Da aber viele Datenschützer und Bürgerrechtler Sturm gegen das Verfahren für die Datensammlung der MediaSentry gelaufen sind und die Musikindustrie ihren Imageschaden aufpolieren möchte, musste gehandelt werden. Der Vertrag wurde nicht verlängert und jegliche Zusammenarbeit wurde eingestellt.
Erneut trifft es Wikipedia
Was die Deutschen brilliant vormachen, das können die Briten selbstverständlich genauso gut nachmachen. Vor gut einem halben Monat wurde die die Weiterleitung von wikipedia.de auf die gleichnamige freie Enzyklopädie Wikipedia durch eine einstweilige Verfügung unterbunden. Der Grund: angeblich seien Falschangaben und reputationschädigende Inhalte auf der Internetpräsenz zu Lutz Heilmann veröffentlicht worden.
Seit einigen Tage sperren die meisten englischen Internetprovider einen Wikipedia-Eintrag über die Rockband "Scorpions", die bei einem 30 Jahre alten Album ein Cover mit einem nackten minderjährigen Mädchen verwendet hat. In vielen Ländern musste ein alternatives Cover nachgereicht werden. Nur die Briten haben (wieder) etwas länger gebraucht, um auch hier einen gesetzesanstößigen Inhalt mit pornographischen Inhalt auszumachen. Vielleicht zieht die britische Internet Watch Foundation bald vor Gericht, um eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Aber diesmal für ganz Wikipedia, bis der gesamte Content von den mehreren hunderttausend Seiten indexiert und indiziert worden ist^^ Möglicherweise gehen auch demnächst hohe Schadensersatzforderungen bei der Wikipedia Foundation in den USA ein, weil der bürgerliche, sittliche Frieden der Briten nachhaltig gestört worden ist....
Die Briten sind immer für eine Überraschung gut
Facebook bittet zur Kasse
Die Firma Facebook konnte vor Gericht einen Sieg gegen einen kanadischen "Super-Spamer" einfahren. Er und seine Firma Firma Atlantis Blue Capita müssen umgerechnet 675 MIllionen Euro Schadensersatz an Facebook zahlen. Ihm wird vorgeworfen, sich illegal Zugang zu fremden Accounts verschafft zu haben, um diese für den Versand von Spamnachrichten auszunutzen.
Kein schlechter Preis. Fast schon ein Schnäppchen. Während die Konjunktur kriselt und auf der ganzen Welt Unternehmen und Banken untergehen, wird eine Firma zu der rekordverdächtigen Schadensersatzsumme von 675 Millionen (0,675 Milliarden) Euro verurteilt. Mit dem Geld könnten bestimmt einige Kleinbanken vor dem Konkurs bewahrt werden. Aber nicht weiter schlimm: ein Unternehmen mehr oder weniger macht den Braten nicht fett.
Barbarischer Schadensersatz
Ein Unternehmen wird wegen "illegaler" Nutzung von 6 kopierter Bilder vom Münchener Landgericht zu 10.000€ Schadensersatz verurteilt. Meine Reaktion: Wooooooooow! Da musste ich zunächst nochmals überprüfen, ob ich mich nicht wirklich verlesen hatte. Nein, es stand da immer noch, schwarz auf weiss: München. Soweit ist es also schon mit unserer Rechtsprechung in Deutschland gekommen. Ein wahrer Verfall zeichnet sich in der Judikative ab.
Das Unternehmen wurde von dem "geistigen Eigentümer", in diesem Fall Getty Images, aufgefordert zwischen 450 und 1100€ pro Bild zu zahlen! So wertvoll und überragend kann das Bild doch gar nicht gewesen sein, dass man so eine inhuman hohe Summe dafür verlangen kann. Natürlich weigerte sich das betroffene EDV-Unternehmen (meiner Meinung nach zu Recht), die Summe von 5230Euro zu zahlen. Es gibt noch nicht einmal einen allgemeinen, deutschlandweit gültigen "Foto-Kopier-Bußgeldkatalog".
Und weil Getty Images so kooperativ ist, wurde beim zweiten Mal neben der erneuten Forderung nach dem oben genannten Beitrag, auch noch ein kleines Präsent beigelegt: die Abmahnung.
Wieder weigerte sich das EDV-Unternehmen, fragte selber bei dem Landgericht München nach und wurde mal eben so verdonnert, den doppelten Betrag zu zahlen: 10.000 Euro. Ich sag es an dieser Stelle gerne noch mal: unfassbar viel Geld.
Die Richter begründeten das Urteil mit dem Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz und die fehlende Nennung des Fotografen,
"da die mit der Nennung seines Namens verbundene Werbewirkung nicht eingreifen und dem Urheber dadurch Folgeaufträge entgehen können".
Trotzdem würde ich keinen Fotografen mit Folgeaufträgen zuschütten, nur weil eines seiner "geistigen Werke" meiner Meinung nach gelungen ist. Vielleicht handelt es sich dabei schlicht um ein Zufallsprodukt.